In voller Fahrt Foto: Sylvia Schmidt

Die mondäne Seite Herchens

Django Asül spottete im Haus des Gastes liebevoll über seine Gastgeber

Rhein-Sieg-Anzeiger vom 5.11.2025; von Sylvia Schmidt

Windeck - Seine Premiere im Haus des Gastes in Herchen liegt eine Weile zurück: 2001 trat Django Asül zum ersten Mal beim Windecker Matineeverein auf. „Warst du schon in Windeck?“, werde in seinen Kreisen gefragt – das sei überhaupt die Voraussetzung dafür, sich Kabarettist nennen zu dürfen.
Der kabarettistische Botschafter Bayerns kennt sich also bestens aus. „Herchen ist der Inbegriff des Mondänen, ist für Windeck, was Kitzbühel für München ist“, weiß der Mann aus dem niederbayrischen Hengersdorf. „Herchen ist bekannt für sein Nachtleben. Das junge Publikum kommt nach der Disko – tagsüber – direkt nach Hause.“ An einigen Ecken seien die Burgen bewusst in Bahnhofsnähe gebaut worden, und bereits im 18. Jahrhundert sei Herchen Luftkurort gewesen. „Das sind Orte, wo noch ganz viel Luft nach oben ist.“ Als Fan von Warndreiecken allerdings habe er blitzgescheit seinen Auftrittstermin so gelegt, dass er sich beim Werksverkauf der Windecker Leina-Werke habe eindecken können.
Asül ist in vielen Lebenslagen versiert, er beschäftigt sich intensiv mit Studien, macht aus dem Leben fantasievolle Rechenaufgaben mit Lösungen wie gemalt oder befragt bei Problemen Fachleute. Bei ihm zuhause in Hengersdorf sage man: „Was sagen denn die Leut dazu?“
Apropos Schwarmintelligenz: Heuschrecken verhielten sich solidarisch – aus Angst vor Kannibalismus. Ganz anders der Mensch: Das Ergebnis einer Studie über den Erfolg einer Gruppe hänge nicht vom Intelligenzquotient, ab, sondern vornehmlich von der Anzahl der Frauen in einer Gruppe. Logische Konsequenz: „Je mehr Frauen in meinem Programm sind, desto besser wird es verstanden.“
Weiter geht es im weiten Bogen zu Ötzi, den die Wissenschaftler sich nochmal angeschaut haben und seine Haut als zu dunkel für Tirol befanden. „Der kam zu hundert Prozent aus dem Nahen Osten, also damals hatten wir schon mehr Europa als gedacht.“
Mit Hans von seinem Stammtisch findet er Antworten auf Fragen, die keiner gestellt hat. Der weiß, warum Putin ein Problem ist. „Der Russ wird immer dann zum Problem, wenn er nicht sauft, sagt der Hans. Jelzin war jeden Tag blau.“ Überhaupt sage die Bevölkerungsdichte nichts darüber aus, wie dicht die Bevölkerung sei, findet Asül. „Grausam wirds immer dann, wenn man die Dinge nüchtern betrachtet.“



Extra-Blatt, 14.02.2014

Django Asül mit seinem Programm  „Paradigma“ beim Windecker Matineeverein

Der Kabarettist Django Asül unternimmt eine Reise zum Ich


Der Windecker Matineeverein hatte den Kabarettisten Django Asül  mit seinem Programm „Paradigma“  nach Herchen eingeladen. Die Veranstaltung, bestehend  aus politischen Kabarett über Türken und Deutsche, stieß beim Publikum im Haus des Gastes auf begeisterte Resonanz. Django Asyl, seit einigen Monaten eingebürgert, hatte damit auch sein persönliches Paradigma: „Ich habe den türkischen Pass nicht abgegeben, er wurde mir genommen“. Das Leben als Neueingebürgerter ist für den Künstler aber auch eine Reise zwischen den Kulturen. „Als Deutscher lastet auf mir jetzt natürlich eine historische Verantwortung. Jetzt muss ich auf jedes Wort achten, das brauchst du als Türke nicht und als Bayer schon gar nicht“.
Der in Bayern geborene  Kabarettist und gelernter Bankkaufmann unternimmt in seinem 5. Solo-Programm erstmals eine Reise zum eigenen Ich mit dem Ziel, in seiner Welt anzukommen.  Als „türkischer Niederbayer“ ist er im politischen Kabarett unter Einbeziehung der türkischen Gepflogenheiten einmalig. Im Programm betrachtet er kritisch die eigene Erziehung durch seine Eltern, „ich hatte 10 von 12 Monaten bei meinen Eltern Hausverbot“. Aber er verschonte  mit seinen Standpunkten weder die europäische  noch die deutsche Politik.  Er möchte wissen,  „warum hat Frau Merkel den Hosenanzug voll“  und fragt sich, warum Merkel im Gegensatz zu Seehofer permanent Wankelmut unterstellt wird. Aber auch die Kirche wird nicht verschont, den Abschied von Kardinal Meissner bedauerte er. „Schade, er war Vermittler zwischen den Kulturen und als Schlesier ein Armuts-Zugewanderter“.
Er lässt er gerne einen guten Freund seines türkischen Vaters zu Worte kommen,  und die Zuschauer lernen so türkische  Stammtischmentalität frei von Polemik kennen!
Es war eines der Höhepunkt des  politischen Kabaretts,  skurrile Ideen, viele gelungene Pointen zwischen den Kulturen, verbunden mit alltäglichen persönlichen Erfahrungen aus dem Leben eines erfolgreichen Kabarettisten bescherten den Besuchern einen vergnüglichen aber auch nachdenklichen Sonntagvormittag beim Windecker Matineeverein.

E-Mail
Instagram